20. Mai 2008

Letzte Woche hatte TechCrunch bereit darüber berichtet: Cambrian House, das einst so hoffungsvoll gestartete und mit mehr als 7 Mio. $ Venture Capital finanzierte Startup erklärt das Scheitern seines Konzepts. Cambrian House war angetreten, um neue Ideen für Websites und Software via Crowdsourcing zu realisieren.
Entstanden sind dabei Projekte wie das Desktop-Game Gwabs oder Mob4Hire, eine Seite zum Testen von Mobilen Applikationen. Einige der erfolgreicheren Ideen sollen weitergeführt werden, während die Plattform in der nächsten Zeit eingestellt wird. Die New Yorker Firma Spencer Trask Ventures hat einige der Key Assets von Cambrian House gekauft, insbesondere die Community, und wird diese in neuer Form weiterführen - die für mich noch nicht ganz nachvollziehbare Idee des Venture Capital Crowdsourcing als Stichwort. Der Umzug der Community und die neue Idee werden im Blog von Cambrian House beschrieben.
Michael Sikorsky, der CEO von Cambrian House, ist sehr offen auf die Gründe eingegangen, die seiner Meinung nach zum Scheitern geführt haben:
“A key assumption for us, which proved out NOT true: given a great idea with great community support and great market test data, we would be able to find (crowdsource) a team willing to execute it OR we could execute it ourselves. We needed amazing founding teams for each of the ideas – this is where our model fell short. […]
Hence: the wisdom of crowds worked well in the model, but it was our participation of crowds aspect which broke down. Trying to find people willing or capable to take on the offspring (our outputs) of the CH model was hard and/or incredibly time consuming.”
15. April 2008
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In UK hat der Zweitmarkt für Lebensversicherungen eine längere Geschichte, seit ein paar Jahren gibt es auch in Deutschland einige Anbieter, die gebrauchte Versicherungen ankaufen. Die Google-Suche nach einschlägigen Begriffen zeigt, dass zahlreiche Anbieter um die potenziellen Verkäufer buhlen.
Das Versprechen der Policen-Ankäufer ist, dem Versicherungsnehmer eine bessere Alternative als den Verkauf zum Rücknahmewert zu bieten. Solle man z.B. durch Liquiditätsengpässe zum Verkauf eine Lebensversicherung gezwungen sein, ist der Verkauf über den Zweitmarkt i.d.R. die lohnendere Alternative, da die Rücknahmewerte der Versicherungen recht niedrig sind und auf diese Weise einen profitablen Zweitmarkt ermöglichen.
Mit der LifeJack AG ist nun ein weiterer Player am Markt. Was ist berichtenswert daran? Die Macher haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Transparenz bei An- und Verkäufen von Versicherungen weiter zu erhöhen. So können beispielsweise sämtliche Versicherungsdaten eingesehen werden und die eigene Police in einer Auktion verkauft werden.

Außerdem wird ein Analyse-Tool für Lebensversicherungen angeboten, dass eine sofortige Bewertung und Einschätzung des zu erzielenden Verkaufspreises erlaubt. Als Freund von Transparenz halte ich den Ansatz von LifeJack für eine gute Idee, potenziellen Interessenten die Option schmackhaft zu machen. Mal schauen, ob sich die Idee durchsetzt. Sollte das der Fall sein - womit ich rechne - werden auch die anderen Ankäufer von gebrauchten Policen auf den Zug aufspringen und zumindest einen Wiederverkaufs-Rechner anbieten.
weitere Infos gibt es bei Yoda und Rattenschwanz
22. Februar 2008
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Techdirt bezeichnet sich als “The Insight Company for the Information Age” und ist ein Netzwerk aus Experten unterschiedlichster Fachrichtungen, vornehmlich aus Technologie- und Medien-nahen Bereichen. Die Firma wurde 1997 gegründet und verfolgt in den letzten Jahren zunehmend einen hochinteressanten Crowdsourcing-Ansatz.
Worum es geht? Experten die Arbeit tun lassen, das ganze schön aggregieren und die Analysen für teures Geld verkaufen… im Prinzip jedenfalls. Die Ausgangsüberlegung ist einmal mehr, dass viel mehr Experten zu einem beliebigen Wissensgebiet über das Land verstreut sind, als man beispielsweise in einem Projektteam versammeln kann. Um dieses Wissen nutzbar zu machen, wurde die Plattform geschaffen, auf der registrierte Experten (Teil-)Fragestellungen für die Techdirt-Kunden bearbeiten und dafür bezahlt werden.
Während andere Crowdsourcing-Plattformen wie MechnicalTurk oder in Deutschland HumanGrid sich auf ziemlich simple Aufgaben konzentrieren, ist Techdirt im anspruchsvollen Bereich Marktforschung/Analyse/Unternehmensberatung anzusiedeln und bewegt sich damit auf dem entsprechenden Preisniveau. Möchte man beispielsweise die Techdirt Insight Community zur Analyse des Wettbewerbsumfeldes von bis zu fünf Konkurrenzunternehmen einsetzen, dauert das 2 Wochen und kostet 20.000 USD.
Um die Qualität der Arbeit sicher zu stellen, wird ein internes Bewertungssystem verwendet, was Einfluss auf die zukünftige Zuteilung von Angeboten hat.
10. Februar 2008

Die in Washington, DC beheimatete Library of Congress ist nach eigener Aussage
“the nation’s oldest federal cultural institution and serves as the research arm of Congress. It is also the largest library in the world, with millions of books, recordings, photographs, maps and manuscripts in its collections.”
Schon seit einigen Jahren geht die Bibliothek neue Wege: Etwa eine Million Fotos und Bilder sind öffentlich zugänglich und mittels Online-Zugang durchsuchbar. Jetzt gibt es auf Flickr ein Pilotprojekt, das alle Interessierten dazu einlädt, die historischen Bilder zu durchstöbern und dabei ein paar Tags hinzuzufügen. Auf diese Weise soll druch Crowdsourcing das Archiv verschlagwortet werden. Auf Flickr wurde eine neue Kategorie “Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt” eingeführt, die für Bilder gilt, deren Urheberrechte abgelaufen oder aufgrund des Alters nicht ermittelbar sind. Wird das Projekt der Library of Congress ein Erfolg, sollen weitere Bildersammlungen anderer Institutionen folgen.
Ein Beispiel findet sich hier. Das Foto wurde Anfang Januar 2008 hochgeladen, seitdem etwa 50.000 mal angesehen, es wurden 21 Notizen und 80 Kommentare hinterlassen sowie etwa 50 Tags vergeben. Dabei dürfte es sich um Spitzenwerte handeln, da das Bild prominent platziert ist und ein attraktives Motiv zeigt. Dennoch gehe ich davon aus, dass auch bei den Long Tail der Bilder der Crowdsourcing-Effekt besonders hilfreich sein wird. Schließlich gibt es eine Menge Experten, die auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet extrem versiert sind und dankbar, dieses Wissen sinnvoll anzubringen.
Insgesamt halte ich das Projekt für einen extrem spannenden Ansatz und eine der prädestiniertesten Anwendungen des Crowdsourcing-Prinzips. Der potenzielle Nutzen (besserer Durchsuchbarkeit und Strukturierung der Daten) ist enorm, andererseits gibt es aufgrund der schieren Datenfülle und des hochspezialisierten Nischenwissens, das zur Katalogisierung nötig wäre, kaum eine gangbare Alternative.
Gefunden bei Keimform
21. Januar 2008
Auf RTL lief gestern - wie angekündigt - die Sendung “Die Weisheit der Vielen”, in der ein Versuch unternommen werden sollte, die ominöse Massen-Weisheit unter experimentellen Bedinungen der Weisheit einzelner Experten gegenüber zu stellen. So zumindest der Anspruch der Show. “Show” trifft es auch ganz gut, denn viele der Experimente hatten leider gar nichts mit dem selbstgesetzten Anpruch zu tun. So sollten etwa drei Fernseh-Wetterexperten die Temperatur am Kölner Dom vorhersagen - 10 Tage im Voraus! Dass das Publikum mit 10°C Abweichung sogar noch schlechter tippte ist dabei einzig und allein dem Zufall zuzuschreiben.
Andere misslungene Experimente waren die Vorhersage eines Trabrennens und die Schätzung, wie viele Kinder an einem Tag in Hamburger Krankenhäusern zur Welt kommen. Ich habe arge Zweifel, dass die Bundes-Familienministerin als “Expertin” in diesem Fall über bessere Entscheidungsgrundlagen verfügt als das Publikum - allerdings hat sie besser geraten und lag näher an der tatsächlichen Zahl. Ähnlich kritische Stimmen sind heute vielfach im Netz zu lesen, z.B. hier, hier oder hier.
Auf der anderen Seite wurden neben allen Show-Experiementen (die über 1 Mio. Zuschauer zum Mitspielen anregten, nicht wenige mittels 0,50 €-pro-Anruf-Hotline) wurden auch Schätzspiele veranstaltet, die bekanntermaßen tatsächlich eine gewisse Weisheit der Vielen zutage fördern. So sollte das Gewicht einer Kuh geschätzt werden (Publikum lag dichter dran) und die Anzahl von Euro-Münzen in einem Behältnis (Publikum lag dicht dran, Experte sogar noch dichter).
Alles in allem, bedingt durch das Format als abendfüllende Show, waren nur wenige interessante Ansätze zu erkennen und leider viele schwachsinnige Experimente. In jedem Fall aber zeigt sich, dass das Thema von den Programm-Entscheidern als würdig angesehen wurde, einer breiteren Masse vorgestellt zu werden. Und mit Sicherheit werden wir in der Zukunft weitere, vielleicht spannendere Experiemente sehen.
6. Januar 2008

Zur Abwechslung mal ein Fernsehtipp an dieser Stelle: Günther Jauch präsentiert am 20. Januar um 20:15 Uhr ein Show-Experiement, in dem “ganz Deutschland gegen die größten Spezialisten spielt”. Dabei können Zuschauer per Telefonhotline in die interaktive Sendung eingreifen und bei Abstimmungen ihr Wissen gegen eine Handvoll vermeintlicher Experten testen. Entsprechend heißt die Sendung “Die Weisheit der Vielen”.
RTL hat im Rahmen der Sendung “Wer wird Millionär?” seit mehr als acht Jahren in unzähligen Sendungen Statistik geführt und kam zu dem Ergebnis, dass die vermeintlichen Experten (Telefonjoker) in etwa 65 Prozent der Fälle die richtige Antwort wissen, die “Weisheit der Vielen” (Publikumsjoker) jedoch zu 90 Prozent mehrheitlich das richtige Ergebnis findet.
Davon abgesehen, dass eine kostenpflichtige Hotline und die Aussicht auf Sofortgewinne beim Anrufen die Aussagekraft des Experimentes sicherlich beinträchtigen bin ich gespannt, was dabei rauskommt.
Gefunden beim TV Blogger
21. Dezember 2007
Vor gerade einmal vier Wochen ist MyMiniCity online gegangen. Es handelt sich dabei um ein simples Browserspiel, das keinerlei Registrierung verlangt. In dieser kurzen Zeit hat die Seite ein unglaubliches Wachstum hingelegt, Angaben zufolge wurden bereits 230.000 Städte angelegt.
Neben der netten Aufmachung besticht das Spiel vor allem durch die Einfachkeit der Bedingung. Jeder kann oder Registrierung eine Stadt anlegen, deren Link an Freunde verschicken (z.B. http://velber.myminicity.com) und zusehen, wie die Stadt mit jedem Besuch wächst. Dabei wird jede IP-Adresse pro Tag nur einmal registriert.
Ab einer bestimmten Größe werden neue URLs freigeschaltet, deren Besuche dafür sorgen, dass die fiktive Arbeitslosigkeit der Stadt reduziert wird (ab 50 Einwohner), dass Infrastruktur gebaut wird (ab 100 Einwohner) oder die Kriminalität und Umweltverschmutzung bekämpft wird. Damit wird dafür gesorgt, dass man mit zunehmendem Städtewachstum immer wieder neue Links „pushen“ muss, um die bauliche Entwicklung voranzutreiben.
So unwahrscheinlich auch ist, dass dieses Modell sonderlich lange populär sein wird, so bemerkenswert ist das rasante Wachstum der letzten Tage. Hinter MyMiniCity steht eine französische Agentur, die sich auf Onlinespiele spezialisiert hat und Anfang des Jahres bereits mit einem Vorläufer am Start war.

Gründe für die explosionsartige Verbreitung sind aus meiner Sicht:
- nette Gestaltung, simple Regeln
- keine Registrierung
- viraler Effekt durch Spieltrieb
- Wettbewerb um die größten Städte je Land durch Rankings
20. Dezember 2007
Jeff Howe, der WIRED-Redakteur und “Erfinder” des Begriffs Crowdsourcing, hatte bereits vor einiger Zeit ein Buch angekündigt. Im Sommer soll das Werk nun erscheinen. Das Buch kann bei Amazon vorbestellt werden: Crowdsourcing-Buch vorbestellen. 
Wie könnte es anders sein, Jeff hat nun in bester Crowdsourcing-Manier einen Aufruf zur Gestaltung des Buch-Covers gestartet. Nennt sich dann natürlich Coversourcing. Den gleichen Weg waren auch schon andere gegangen, z.B. Guy Kawasaki mit seinem Bestseller “The Art of the Start“.

Bisher ist die Auswahl noch recht überschaubar, aber das Buch soll ja auch erst im Sommer erscheinen, ein bisschen Zeit dürfte daher noch bleiben…
gefunden im Crowdsourcing Directory
27. November 2007

Netflix, ein US-Pionier im online DVD-Verleih, hat mit Netflix Prize einen sehr interessanten Wettbewerb ins Leben gerufen. Wie in den (etwas lang geratenen;-) Regeln nachgelesen werden kann, geht es darum den von Netflix intern entwickelten Algorithmus für Filmempfehlungen (”Cinematch”) durch einen selbst ausgetüftelten zu schlagen.
Es funktioniert so: Man kann sich alleine oder als Team registrieren und bekommt haufenweise (hier nicht der treffendste Ausdruck…) anonyme statistische Daten über das Nuzterverhalten von Netflix zugespielt. Damit kann man einen eigenen Algorithmus entwickeln - schlägt diese Cinecatch um mehr als 10%, winken 1 Mio. USD Preisgeld. Die Netflix-Betrieben scheinen also recht zuversichtlich bezüglich ihres eigenen Systems zu sein. Voraussetzung für den Preis ist, dass der Sieger den Algorithmus offen legt. Einmal pro Jahr wird zusätzlich ein Preis in Höhe von 50.000 USD ausgeschrieben für den besten Wert unterhalb der 10%. Soeben hat ein Team von AT&T diesen Preis abgeräumt, und zwar mit 8,5% Verbesserung gegenüber Cinecatch (die beiden Teammitglieder arbeiten in der Statistics und Information Visualization Abteilung - sicherlich kein Nachteil).
Wie auf dem Leaderboard zu sehen ist, haben sich inzwischen fast 30.000 Leute aus 165 verschiedenen Ländern angemeldet und fast 20.000 Algorithmen eingesandt.
Na, ob die deutschen Sites wie Amango etwas ähnliches machen werden? Oder vielleicht Hitflip, die bei innovativen Ideen ja immer sehr experimentierfreudig sind…
via Trendwatching.com
21. November 2007

Sellaband ist ein Projekt, bei dem Fans unbekannte Bands und Künstler finanzieren, indem sie “Anteile” an ihnen beziehen, werden also an künftigen Einnahmen beteiligt. So wurden z.B. schon Bands mit 50.000 $ finanziert, die von 5.000 verschiedenen Fans - so genannten ‘Belivers’ - stammen.
Wie jetzt bekannt wurde, haben diese Woche die ersten Believers eine Gewinnausschüttung erhalten und zwar all diejenigen, die die Bands Cubworld, Nemesea, Second Person und Maitreya geholfen haben zu finanzieren. Der genaue Betrag ist nicht bekannt, laut Sellaband handelt es sich um “enough to buy a beer at the pub, or maybe even a round or two”. Jedenfalls scheint das Crowdfunding-Modell der Plattform tatsächlich zu funktionieren. Wobei abzuwarten bleibt, wie nachhaltig der erste Eindruck ist. Außerdem ist das Musikgeschäft bekanntermaßen schwierig zu kalkulieren und daher mit großen finanziellen Unsicherheiten verbunden. Wer weiß: Vielleicht wird auf diese Weise ja auch der nächste internationale Superstar entdeckt…
Am Rande bemerkt: Matias berichtet in einem interessanten Beitrag über die Musikindustrie im Umbruch und wie Kreativ-Communities in Zukunft eine größere Rolle spielen werden.
gefunden bei Springwise